Canberra T.17 und B.8 Amodel 1:144

| Muster: | English Electric Canberra T.17 und B.8 |
| Hersteller: | Amodel |
| Maßstab: | 1:144 |
| Erscheinungsdatum: | Herbst 2009 |
| Autor: | Ernst Kögel |
Fazit Kurzform
Die Canberra Bausätze von Amodel sind eine willkommene Bereicherung jeder 1:144er Sammlung. Allerdings sind sie nicht für Anfänger geeignet. Fehlende Paßstifte, Paßungenauigkeiten und Sinklöcher erschweren den Zusammenbau. Die modulare Bauweise, die viele Versionen ermöglichen soll, erschwert den Zusammenbau zusätzlich.Wer aber einig Erfahrung mit Kleinserien besitzt, sollte mit diesen Bausätzen zu Recht kommen. Sie sind sicher einfacher zu bauen als Vacus.
Original/Geschichte
Die English Electric Canberra war eine der großen Exporterfolge der britischen Luftfahrtindutrie. Mit diesem Flugzeug betrat English Electric erstmals mit einer Eigenkonstruktion die Szene. Bis dahin hatte English Electric nur Flugzeuge und –Teile in Lizenz gebaut. Um nach dem Krieg weiter im Geschäft zu bleiben, gründete man eine eigene Konstruktioins-und Entwicklungsabteilung. Als Chefkonstrukteur konnte “Teddy” Petter von Westland gewonnen werden. Die RAF suchte einen Strahlgetriebenen Nachfolger für die Mosquito und die vermeintlichen Außenseiter von English Electric erhielten im Januar 1946 den Zuschlag. Am 13.Mai 1949 startete Roland Beamont mit dem Prototypen zum Erstflug. Die RAF erhielt ihre ersten Canberras im Mai 1951. Insgesamt flog dieses Flugzeug bei 71 RAF Einheiten zwischen 1951 und 2006 als Bomber, Aufklärer, Trainer, Elektroniktrainer, Versuchsträger für verschiedene Systreme und Zielschlepper. Es wurden 1376 Canberras in 3 Nationen gebaut. In 14 Länder wurde der Canberra exportiert. Unter den Canberra –Nutzern war auch die Bundesluftwaffe, die 3 mit Kameras bestückte B.2 zwischen 1966 und 2000 für Luftbild - und Kartografische Aufgaben betrieb. Der größte Erfolg stellte die Entscheidung der USAF dar, Canberra-Bomber als B-57 anzuschaffen und bei Martin in Lizenz zu bauen.
Während der 50er und frühen sechziger Jahre bildeten die Canberras vor allem der RAF Germany die Speerspitze der britischen Angriffsverbände. Auch in vielen lokalen Konflikten nach 1951 kamen Canberras zum Einsatz. Seine Feuertaufe erlebte dieser Typ 1955 und 56 in Malaya als Groß Britannien dort gegen Indonesische Rebellen kämpfte. 1956 kamen Canberras im Suez-Krieg zum Einsatz. Indische und Pakistanische Canberras nahmen an den Kriegen der beiden Nationen 1965 und 1971 auf beiden Seiten teil. Indische Canberras waren übrigens auch Teil der UN Friedenstruppe im Kongo 1961-1962. Neben den B-57 der USAF und der Süd-Vietnamesischen Luftwaffe schickte auch Australien B.20 nach Vietnam.
Im Falkland Konflikt versuchte Argentinien mit seinen Canberras die Britische Flotte und Stellungen anzugreifen. Weniger bekannt ist, daß auch die RAF von Punta Arenas in Chile aus Aufklärungseinsätze mit Canberra PR.9 flog. Canberra PR.9 waren noch in beiden Irak-Kriegen und in Afghanistan im Einsatz und wurden erst 2006 ausgemustert.
Bausatz
In 1:144 gab es die Canberras bisher als Vacus bei Welsh und Kleinserienmodelle von Ozmods. Amodel bringt jetzt mehrere Versionen dieses britischen Kampfflugzeugs auf den Markt: Den Elektroniktrainer Mk.17 und den Bomber Mk.8, der ab 1957 ausgeliefert wurde. Die Baukästen sind modular ausgelegt und die Bauteile sind so geteilt, daß noch weitere Versionen folgen können. An 4 Gußästen hängen 33 Teile. Ein Klarsichtast mit 2 (Mk T.17) beziehungsweise 4 (B.(I) Mk.8) Teilen ist extra verpackt. Die Teile sind negativ graviert. Allerdings reichen die Angüsse bis in die Teile und müssen vor dem Zusammenbau erst abgeschliffen werden. Obwohl Amodel sich nicht als Kleinserien- hersteller begreift, fehlen wie bei vielen Kleinserienmodellen die Paßstifte. Leider wird die an sich gute Detaillierung durch die Niederdruck Spritz-Technik etwas gestört: Sinklöcher und Grate müssen hier und da verspachtelt oder entfernt werden. Jeder Bauschritt sollte t rocken versucht werden, um Passungenauigkeiten auszugleichen.
Bei der Mk.8 ist dem Künstler beim Deckelbild ein Fehler unterlaufen: Die Tragflächenform des dargestellten Flugzeugs paßt eher zu einer PR.9. Außerdem fehlen die auf dem Deckelbild sichtbaren normalen Bombenschachtklappen im Bausatz, was eine mögliche Alternative wäre. Amodel legt nur die Wanne mit den 4 MGs für die Version B(1) Mk.8 bei.
Beide Modelle unterscheiden sich nur durch den Bug und den Bombenschacht: Die T.17 hat die runde Cockpitverglasung und den Bug mit den Beulen, die die Elektronik beherbergt. Die B(1)Mk8 die nach links versetzte tropfenförmige Haube, außerdem viel Glas für die Fenster des Bombenschützen. Die Inneneinrichtung besteht nur aus 2 Schleudersitzen, die auch noch verfeinert werden können. Der Cockpitboden wird zwar in der Bauanleitung gezeigt, der Text “to make a detail” sagt aus, dass man sich den Boden selbst herstellen soll. Das gilt auch für alle übrigen Cockpitdetails. Außerdem sollten 10 gr Ballast im Bug untergebracht werden.
Die Tragflächen und der mittlere Rumpfbereich bestehen aus oberer und unterer Hälfte, die erst angepaßt werden müssen, weil die untere Hälfte zu dick ist, und dem geschlossenen Bombenschacht beziehungsweise der MG-Bewaffnung der Mk.8. Das Heck ist für beide Versionen identisch. Die Löcher für die Haltestfte der Höhenleitwerke müssen erst gebohrt werden. Wenn Heck und Bug fertig gebaut sind, können sie stumpf an das Mittelsegment geklebt werden. Leider gibt es keine Orientierungshilfe, wie die Baugruppen gegeneinander augerichtet werden müssen. Das Fahrwerk ist relativ einfach dargestellt. Als Außenlasten liegen nur Zusatztanks bei.
Beide Bausätze lassen den Bau nur je eines Flugzeuges zu. Beide Versionen sind auf den Oberseiten grau-grün und auf den Unterseiten hellgrau getarnt. Alle Farben sind mit Humbrol Nummern definiert. Die T.17 hat die gelben Pfeile auf rotem Grund des 360 Squadrons. Ob auch eine spätere Lackierung in “Hemp”, wie auf den Originalfotos oben, möglich wäre, habe ich noch nicht überprüft. Der Mk.8 Bausatz enthält die Geschwadermarkierungen des No 16 Squadrons RAF Germany.
Fazit
Die Canberra Bausätze von Amodel sind eine willkommene Bereicherung jeder 1:144er Sammlung. Allerdings sind sie nicht für Anfänger geeignet. Fehlende Paßstifte, Paßungenauigkeiten und Sinklöcher erschweren den Zusammenbau. Wer aber einig Erfahrung mit Kleinserien besitzt, sollte mit diesen Bausätzen zu Recht kommen.










