Messerschmitt Bf 109 G-6 Airfix 1:72

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Bild: Bf 109 G6 Airfix 72 alle Teile Bild: Bf 109 G6 Airfix 72  Teile Bild: Bf 109 G6 Airfix 72  Decals
Bild: Bf 109 G6 Literatur SAM Bf 109 F bis K Bild: Bf 109 G6 Traditionsflugzeug EADS ILA 2006 Bild: Bf 109 G6 Traditionsflugzeug EADS Hahnweide2005
Muster:Messerschmitt Bf 109 G-6
Hersteller:Airfix
Maßstab:1:72
Erscheinungsdatum:Herbst 2009
Autor:Ernst Kögel

Fazit Kurzform

Aus Marketing-Gesichtspunkten ist der neue Airfix Bausatz sicher top: Sauberes Plastik in einem attraktiven Karton mit einer ansprechenden Bau- und Bemalungsanleitung. Als Modellbauer glaube ich aber, dass sich Airfix mit diesem Bausatz keinen Gefallen getan hat: Er ist zwar preiswert und passgenau, aber auch sehr fehlerhaft und teilweise zu einfach, unverständlich bei einem Typ, zu dem es so viele gute Unterlagen gibt. Da bereits bessere Bf 109 G-6 in 1:72 auf dem Markt sind, fällt es schwer, diesen Bausatz zu empfehlen, außer als Übungsobjekt oder für Kinderbastel-Aktionen.

 

Original/Geschichte

Die  Bf 109 zählt zu den Flugzeugtypen, die auch weniger Luftfahrt-Interessierten bekannt sind. Die zu ihrer Zeit hervorragende Bf 109 F erwies sich gegen die immer häufiger und höher einfliegenden schweren Bomber der Alliierten als zu leicht bewaffnet. In Bezug auf die Flugeigenschaften war die G-Serie ein Rückschritt aber der stärkere DB 605 Motor machte das Flugzug mit seinen 1475 PS schneller und erlaubte eine höhere Zuladung. Dazu mußten aber auch Zelle und Fahrwerk verstärkt werden. Auch unter den Tragflächen konnten nun Rüstsätze montiert werden. Die Version G-6 wurde ab 1943 an die Reichsluftwaffe ausgeliefert. Durch den Einbau von MG131 statt der MG 17 erhielt diese Version die charakteristischen Beulen auf der Motorverkleidung. Die Munitionszuführungen der MG 131 hatten in der bisherigen Motorverkleidung keinen Platz. Bei späteren G-Versionen und der Bf 109 K wurde die Motorhaube überarbeitet und vergrößert, sodaß diese Beulen überflüssig wurden. Außerdem wurde das Seitenleitwerk vergrößert. Da zu diesem Zeitpunkt die Kriegsproduktion auf vollen Touren lief und Alternativen (z.B. ME 209) ausblieben wurde die G-Serie mit über 12000 Exemplaren die meistgebaute Bf 109 Variante.  Auch mit Deutschland verbündete Staaten wie Italien, Finnland, Rumänien, Kroatien, Ungarn und die Slowakei rüsteten ihre Luftwaffen mit Bf 109 G aus. Die Schweiz erhielt diesen Typ im Austausch für die Zerstörung eines auf schweizer Gebiet notgelandeten Bf 110 Nachtjägers, dessen Elektronik nicht in alliierte Hände fallen sollte.Nach 1945 wurden Bf 109 G noch in Spanien und der Tschechoslowakei (Avia S 99) weiter produziert. Weil keine Daimler Benz Motoren mehr erhältlich waren, wurden die meiste Tschechischen Flugzeuge (Avia S 199) von Jumo 211 und die spanischen (HA-1109 und HA-1112 Buchon) von Rolls Royce Motoren angetrieben, was sowohl ihr Aussehen als auch die Flugeigenschaften veränderte.

Bausatz

Meine ersten Plastikbausätze in den frühen 60er Jahren kamen von Airfix oder dem deutschen Importeur Plasty. Die preiswerten Airfix Modelle gab es damals in jedem Schreibwarengeschäft. Als andere Modellhersteller ihre Bausätze nach Kastengröße scalierten, führten Airfix und Frog 1:72 als Standardmaßstab für Flugzeuge ein. Mitte der 70er Jahre sank der Stern dieses Herstellers. Mehrere Insolvenzen führten zu wechselnden Besitzern. Meistens wurden die Uralt-Modelle in neuen Verpackungen oder Leihformen anderer Hersteller als Neuheiten angeboten. Der Maßstab 1:72 schien abgeschrieben. Echte Neuheiten gab es nur noch in 1:48. Aktuell ist Airfix bei Hornby untergekommen und es gibt wieder echte Neuheiten in 1:72!  Hierzu zählt ausgerechnet eine Bf 109 G-6, ein Flugzeugtyp, den viele Hersteller bereits mehr oder weniger gut  im Programm haben. Allerdings wäre eine gute und preiswerte G-6 immer willkommen. Es gibt ja zahlreiche Decalsätze auf dem Markt.

Der erste  Eindruck des Kits ist gut: Auf dem Deckel des in Rot gehaltenen Kartons sehen wir ein dynamisches Bild dreier  finnischer Bf 109 G-6 mit  politisch korrekten Nachkriegs-Markierungen, die auf den Betrachter zu fliegen. 3 Gußäste mit 41 hellgrauen  Teilen und 1 Klarsichtast mit 2 verschiedenen Cockpit-Hauben, Erla und Standard, die gegen Verkratzen in einem extra Beutel verpackt sind, füllen den Karton in neuem Design. Den meisten Platz nimmt im Karton die übersichtliche Bauanleitung ein. In 11 Schritten wird auch für den Anfänger verständlich der Zusammenbau graphisch dargestellt. Airfix läßt dem Modellbauer dann noch leere 2 Seiten für Notizen!?  Die in China hergestellten Teile sind passgenau und gratfrei, die negativen Gravuren allerdings etwas zu kräftig ausgefallen. Im Gegensatz zu anderen Herstellern hat Airfix sich auf die Version G-6 festgelegt. Aber statt sich ernsthaft mit dem großen Vorbild zu beschäftigen, hat der Formenbauer offensichtlich das alte Airfix-Modell aus den 60er Jahren als Vorlage benutzt.

Die charakteristischen  Beulen und  das G-6 -Heck sind am Rumpf angespritzt. Hier ist auch schon ein gravierender Fehler entstanden, weshalb ich glaube, es handelt sich um eine gravierte Neuauflage des Kits aus den 60er Jahren: Die Beulen sind wie damals über die Rumpfmitte als Wulst dargestellt, was eigentlich den Bausatz schon disqualifiziert. Mit einiger Schleifarbeit läßt sich dies etwas korrigieren (wozu, wenn es Bausätze ohne diesen Fehler gibt?). Auch das Cockpit entspricht in seiner Ausstattung den Kindertagen des Plastikmodellbaus: Lediglich ein Pilot, der eher in einen Jet der fünfziger Jahre passen würde, und der Sitz mit der Kopfpanzerplatte, die beim Original an der Klapphaube befestigt ist, sollen das Cockpit ausfüllen. Rückwand, Instrumentenbrett, Cockpitboden, Steuerknüppel und die Details an den Seitenwänden  müssen selbst hergestellt werden. Natürlich kann man argumentieren, da man es den Supermodellbauern ohnehin nicht recht machen kann, ist der Cockpitbereich wenigstens leer und bereit für die Aufnahme von Resinteilen. Vor dem Zusammenbau der Rumpfhälften soll der Propeller mit der Achse in das Loch am Bug gesteckt werden, damit er drehbear bleibt. Die meisten Modellbauer werden hier eine andere Lösung finden und den Propeller erst nach der Lackierung anbauen. Der Ölkühler unter dem Bug liegt als extra Teil bei. Es gibt einen Lüfter mit und einen ohne Sandfilter. Den Standard Lüfter sollte man vorne aufbohren. Von den beiden Kabinenhauben kann man nur die Standardhaube verwenden. Die Form der Erla-Haube ist viel zu eckig und die Streben falsch dargestellt . Besser ist es sicher, diese Bausatzteile durch eine Vacu-Kanzel  etwa von Squadron zuersetzen.

Die Tragflächen bestehen, anders als beim Modell aus den Sechzigern, aus einem durchgehenden Unterteil, das gut unter den  Rumpf passt und rechter und linker Oberseite. Leider war die Passgenauigkeit der Oberseiten zum Rumpf nicht so gut. Dabei ist die Kante der Oberteile im Bereich der Fahrwerkschächte nach unten gezogen. Daher gibt es in diesem Breich keine Klebenaht. Auch bei den Beulen auf den Tragflächen,die wegen der dickeren Reifen bei der Bf109 G-6 notwendig wurden, hat sich Airfix festgelegt: Es sind nur die kleineren Beulen aufgespritzt. Immerhin sind die Fahrwerksschächte nach den Seiten verschlossen. Die Ausgleichsgewichte der Querruder wurden vergessen. Dafür ist unter jeder Tragfläche eine große viereckige Öffnung für die Sonderbewaffnung: Kanonengondeln oder Werfergrantenrohre, die aber so grob dargestellt sind, dass man sie am besten wegläßt. Dies geschah bei den Jagdgeschwadern der Luftwaffe auch häufig, weil diese Außenlasten die 109  langsamer und schwerfälliger machten. Auch die Abwurflasten für den Rumpfpylon, Zusatztank oder Bombe, sind nicht gerade umwerfend. Leider wurde der Pylon fest anmodelliert und muß mühsam entfernt werden, wenn man eine Bf 109 ohne Pylon bauen möchte.

Die einfachen Fahrwerkbeine wurden an die Klappen modelliert. Es liegen nur Räder mit Reifen ohne Profil bei, die ja relativ weit verbreitet waren.

Nur der Antennenmast hinter dem Cockpit ist im Kit enthalten. Die Peilantenne auf dem Rumpfrücken fehlt ebenso wie das Staurohr.

Bei der Bemalungsanleitung kann Airfix dann wieder punkten: Jede der 3 möglichen / Bf 109 G-6 ist farbig dargestellt. Neben der  RLM  74/75/76 getarnten Bf 109 des II./JG 3 kann eine italienische und eine finnische Messerschmitt markiert werden. Die Decals sind dünn und sauber gedruckt, aber glänzend.

 

 

 

 

Fazit

Aus Marketing-Gesichtspunkten ist der neue Airfix Bausatz sicher top: Sauberes Plastik in einem attraktiven Karton mit einer ansprechenden Bau- und Bemalungsanleitung. Als Modellbauer glaube ich aber, dass sich Airfix mit diesem Bausatz keinen Gefallen getan hat: Er ist zwar preiswert und passgenau, aber auch sehr fehlerhaft und teilweise zu einfach, unverständlich bei einem Typ, zu dem es soviel gute Unterlagen gibt. Da bereits bessere Bf 109 G-6 in 1:72 auf dem Markt sind, fällt es schwer, diesen Bausatz zu empfehlen, außer als Übungsobjekt oder für Kinderbastel-Aktionen.