Fokker FVII 3m AZmodel in 1:144

| Muster: | Fokker F.VIIb 3m |
| Hersteller: | Azmodel |
| Maßstab: | 1:144 |
| Erscheinungsdatum: | 2009 |
| Autor: | Ernst Kögel |
Fazit Kurzform
Ein gut gemachter Bausatz, der allerdings nur etwas für Könner ist: fotogeätzte Streben und selbst zu biegende Auspuffrohre überfordern den Anfänger sicherlich. Dazu kommt im Fall der Avia/Fokker ein für Ungeübte schwer auszuführender Anstrich.
Original/Geschichte
Der Holländer Anthony Fokker wurde in Deutschland vor allem durch seine Jagdflugzeuge bekannt, die während des ersten Weltkrieges in seinem Werk in Schwerin gebaut wurden. Nach dem ersten Weltkrieg verlagerte er seine Tätigkeit zurück in seine niederländische Heimat und entzog sich damit den Baubeschränkungen des Versailler Vertrages. Noch in Deutschland entstand ein erstes Verkehrsflugzeug, die Fokker F II, die auch 1926 zur Erstausstattung der Luft Hansa gehörte. Die Fokker F VII wurde ab 1924 zunächst einmotorig für 2 Mann Besatzung und 8 Passagiere gebaut. Anfangs lag nur eine Bestellung über 5 Flugzeuge für die niederländische KLM vor. Zwar wurde die FVII zunächst nur innereuropäisch eingesetzt, angedacht war von Albert Plesman (KLM) vor allem eine Flugverbindung zu den Niederländischen Kolonien in Ostindien (Batavia), die 1931 bis nach Melbourne erweitert wurde. Der Rumpf des neuen Flugzeuges hatte einen Stahlrohrrahmen, der innen holz- außen stoffbespannt war. Die Tragflächen des Hochdeckers wurden komplett aus Holz gefertigt. Weitere einmotorige F VII wurden unter anderem an die schweizer Balair, die dänische DDL und die polnische LOT geliefert. Um die Sicherheitsbedenken der Airlines zu befriedigen bot Fokker ab 1925 eine dreimotorige Version Fokker F VII /3m an. Um die große Nachfrage nach diesem Flugzeug zu befriedigen, wurde es in verschiedenen Ländern in Lizenz gebaut: Bei Avia, Avro, Meridionali, Plage & Lasskiewicz und SABCA. Außerdem hatte Fokker schon 1922 in den USA die Atlantic Aircraft Corporation gegründet, in der weitere F VII für den amerikanischen Markt gebaut wurden. Pan American, Western Air Express, Western Canada Airways und Reynolds Airways gehörten hier zu den Fokker Kunden. Die Zuverlässigkeit der Fokker Konstruktion wurde auch von Flugpionieren geschätzt: Der australische Polarforscher Hubert Wilkins unternahm mehrere Arktisflüge mit Fokker FVII. Richard Byrd versuchte 1926 den Nordpol mit einer F VII zu überfliegen. 1927 flogen Maitland und Hegenberger von San Francisco nach Hawai. 1928 überquerte Charles Kingsford Smith mit seiner „Southern Cross“ genannten F VII/3m in 3 Etappen den Pazifik von Oakland nach Brisbane (Australien). Im gleichen Jahr überquerte Amelia Earhart als erste Frau mit Wilmer Stultz und Louis Gordon den Nordatlantik.
Daneben wurden die Fokker F VII auch militärisch als Transporter und Kampfflugzeug genutzt. Selbst im spanischen Bürgerkrieg kam dieser Typ noch auf Seiten der Republikaner zum Einsatz.
In der Zivilen Luftfahrt wurden die Fokker FVII ab 1932 durch die modernen Ganzmetall-Tiefdecker wie die Boeing 247, DC 2 in den USA und vor allem die Ju 52 in Europa verdrängt. Insgesamt konnte Fokker über 250 F VII verkaufen.
Von der einmotorigen Version kann je ein Exemplar im Verkehrshaus in Luzern und im Aviodrome in Lelystad besichtigt werden. Von der FVII/3m existiert ein Nachbau der „Southern Cross“ von Kingsford Smith in Australien.
Bausatz
Von diesem wichtigen Flugzeug gab es bisher nur einen Bausatz der „Southern Cross“ in 1:72 in der legendären „Trail Blazers“ Serie von Frog, der von Novo, Master Kit und Anderen (mehr schlecht als recht) wieder aufgelegt wurde, sowie einige Vacus. Valom kündigt einen neuen Bausatz für 2010 in 1:72 an. Nachdem Azmodels uns mit vielen interessanten und gut gemachten Spritzgußmodellen in 1:72 und 48 verwöhnt hat, stellt die Fokker FVII 3m den Einstieg in die AZ Airport-Serie in 1:144 dar. Steht das Modell neben einen modernen Airliner in 1:144, so wird der Fortschritt der Luftfahrt in den letzten 90 Jahren offenbar: Hochachtung vor Leuten wie Kingsford Smith oder Amelia Earhart, die sich mit diesem Winzling aus Stahlrohr, Stoff und Sperrholz über den Ozean wagten und auch den Passagieren, die mit solchen Geräten von Holland bis nach Batavia (und weiter) reisten. Der Bausatz wird in 4 verschiedenen Versionen angeboten, diese unterscheiden sich aber nur durch die Decals und die Bemalungsanleitung. Mir lag die Avro Ten und die Avia/Fokker F.VIIb 3m vor. In dem Rundumkarton befindet sich ein Gußrahmen mit 27 Plastikteilen, die allerdings nicht alle benötigt werden, 3 Resin Motoren, eine Ätzplatine und eine Folie mit Fenstern. So sind 2 verschiedene Rümpfe, 3-Blatt und 2-Blatt Propeller am Gußast, die natürlich nur für bestimmte Versionen benötigt werden. Auch die Bauanleitung ist für alle Kästen gleich und zeigt die alternativen Propeller und Auspuffanlagen.
Während das Cockpit mit Rückwand, Sitzen und fotogeätztem Instrumentenbrett und Steuern überdurchschnittlich gut ausgestattet ist, geht die Passagierkabine leer aus. Es bleibt dem Modellbauer überlassen, ob er 8 bis 10 Passagiersitze einbaut. Dann folgt die erste Schwierigkeit: Die Fenster sollen aus einer bedruckten Klarsichtfolie ausgeschnitten und auf die offene Fensterreihe geklebt werden. Einige Modellbauer haben einfach die Öffnung zu gespachtelt und die Fenster durch schwarze Decals ersetzt. Auch die Windschutzscheibe des Cockpits soll auf die gleiche Art hergestellt werden. Ansonsten werden die Rumpfhälften ganz konventionell zusammen gefügt, sowie Sporn, Höhen- und Seitenleitwerk an das Heck geklebt. Ob man in 1:144 die Steuerseile darstellen will, muß man für sich selbst entscheiden. Jetzt sollten die Komponenten lackiert werden, weil man später an einige Bereiche des Rumpfes, die dann hinter den Streben und Motorgondeln liegen, nicht mehr herankommt. Es folgt die Montage der Motorgondeln, die mit fotogeätzten Streben an den Rumpf montiert werden. Die Tragflächenhälften passen gut zusammen und sollten wie der Rumpf jetzt schon wenigstens auf der Unterseite lackiert werden. Die Verbindung zu den Motorgondeln geschieht wieder durch geätzte Streben. Jetzt müssen die 3 Resin-Sternmotoren für den Einbau vorbereitet werden. Vorsichtig sollte der Anguß entfernt werden. Weil die Fokker F VII noch keine Cowlings hatten und die Zylinder unverkleidet in den Luftstrom ragten, fällt jede Beschädigung besonders auf. Die Auspuffrohre sollen aus Draht selbst hergestellt werden. Es folgt die finale Lackierung und Kleinteile wie Räder und Propeller. Einige Versionen haben Kotflügel über den Rädern, die dann auch wieder aus den beiliegenden Ätzteilen gebogen werden müssen.
Jeder Kasten enthält Decals für mehrere Flugzeuge. Die farbige Bemalungsanleitung befindet sich auf der Unterseite des Kartons: Die Avia/ Fokker kann in eine Tschechische, eine KLM und eine Swissair Maschine verwandelt werden. Dabei ist die Bemalung der tschechischen Fokker am einfachsten: Der Rumpf ist einfarbig braun. Die Swissair und KLM F VII haben einen mittelblauen Rumpf, der im Bereich der Fenster Dunkelblau, fast schwarz gestrichen ist. Die Farbgrenze beschreibt eine ovale Kurve und wird von einem dünnen gelben (KLM) bzw. weißen Strich (Swissair) markiert, der nicht als Decal beiliegt. Die Tragflächen sollen gelb gewesen sein, allerdings könnten sie auch einfach die Farbe von lackiertem Sperrholz gehabt haben (wie etwa die F VII in Lelystad). Aus dem Bausatz der Avro Ten läßt sich ein Flugzeug der British Imperial Airways und der England Australia Airways bauen. Da diese beiden Versionen einen einfarbigen Alu-Schutzlack trugen sind sie natürlich einfacher zu lackieren. Die Farben werden weder mit RAL oder FS Nummern benannt, noch einem der großen Modellfarbherstellern zugeordnet.
Ein Umbau in die einmotorige Version bietet sich an, AZmodels kündigt diese aber für 2010 als Bausatz an.
Fazit
Azmodel stößt mit der Fokker F VII / 3m in eine bisher wenig beachtete Epoche der Zivilluftfahrt vor. Der Bausatz ist zwar gut gemacht, aber schwer zu bauen, was nicht an AZ, sondern am großen Vorbild mit seinen Streben und Steuerseilen liegt. Auch die Lackierung ist nicht unproblematisch. Deshalb kann man diesen Bausatz eigentlich nur sehr erfahrenen Modellbauern empfehlen. Die angekündigten Folgemodelle sind sicher einfacher zu bauen: Wir dürfen uns auf eine ATR 72 und die Tu 134 in 1:144 freuen.











