Eurofighter Revell 1:144

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Bild: Eurofighter Revell 144 alle Modelle Bild: Eurofighter LIteratur 4plus Bild: Eurofighter LIteratur Evans
Bild: Eurofighter LIteratur Vetter Bild: Eurofighter Revell 144 Decal Bild: Eurofighter Revell 144 Cockpit
Bild: Eurofighter Revell 144 Aussenlasten Bild: Eurofighter Revell 144Flugzeugteile
Muster:Eurofighter Typhoon (Single Seater)
Hersteller:Revell
Maßstab:1:144
Erscheinungsdatum:Mai 2010
Autor:Ernst Kögel

Fazit Kurzform

Endlich ein zeitgemäßer Eurofighter im kleinen Maßstab! Wieder einmal zeigt Revell was in 1:144 machbar ist. Der Kasten kann ab Anfänger allen Modellbauern empfohlen werden.

Original/Geschichte

Als der Eurofighter 2003 endlich offiziell an die Luftstreitkräfte der am Programm beteiligten Nationen ausgeliefert werden konnte, hatte er eine lange und  nicht immer gradlinige Entwicklungsgeschichte hinter sich. Bereits seit 1979 arbeiteten BAC und MBB gemeinsam an einem neuen Kampfflugzeug. Anfang der 80er Jahre, als die Konfrontation zwischen NATO und Warschauer Pakt die Rüstungsprogramme bestimmte, wurde in mehreren westeuropäischen Ländern über ein Kampfflugzeug der 4. Generation nachgedacht und es tauchten auf den Luftfahrtmessen erste Mock Ups als ACX, TFK90, ACA oder ECA auf. Hochagil dabei fast unsichtbar für feindliches Radar sollte das künftige Flugzeug sein, das F-104, F-4, Tornado ADV aber auch Jaguar ersetzen sollte. Dabei sollte auch im Marschflug Überschallgeschwindigkeit möglich sein. Die deutschen Versuche mit dem CCV Starfighter beeinflußten die Entwicklung ebenso wie der britische Technologieträger EAP und MBBs Beteiligung an der X-31. Die Zusammensetzung des Firmenkonsortiums wechselte: Frankreich beschloß einen Alleingang mit der Rafale. Groß Britannien, Deutschland, Italien und Spanien arbeiteten weiterhin zusammen. Vor allem nach dem Ende des Kalten Krieges und der Wiedervereinigung  gab es auch in der BRD eine starke Opposiotion gegen den Eurofighter. Lobbyisten priesen erfolglos russische Konstruktionen sowie die F-22 als billigere Alternative. Allerdings wurde die Anzahl der zu beschaffenden Flugzeuge immer wieder nach unten  korrigiert: statt je 250 sollte die RAF nur noch 232, die Bundesluftwaffe gar nur 180 Eurofighter erhalten. Außerdem sollten auch die deutschen Eurofighter Luft- Boden Aufgaben der Tornados übernehmen (statt wie zunächst geplant nur Luft-Luft als reines Jagdflugzeug). Dafür konnten mit Österreich und Saudi Arabien 2 neue Kunden gewonnen werden.

Der Erstflug des Prototypen DA 01 fand am 27.03. 1994 in Manching statt, aber es dauerte bis 2003, bis die ersten Serienflugzeuge übergeben werden konnten. Am 30.06.2003 übernahm die RAF ihren ersten Eurofighter T.1, der in England Typhoon genannt wird.

 Die Bundesluftwaffe stellte ihre Eurofighter beim JG73 in Rostock-Laage offiziell am 30.4. 2004 in Dienst. Seit  Juli 2006 fliegt auch das JG 74 in Neuburg/Donau diesen Typ. Es dauerte aber noch bis Juni 2008 bis der Vorgänger F-4 F Phantom II beim JG 74 offiziell ausgemustert wurde. Als erster Tornadoverband erhielt das JaboG 31 im Dezember 2009 Eurofighter. Die Tornados des JaboG 31 werden im Sommer 2010 verabschiedet. Umschulung und Training der deutschen Eurofighter Crews finden beim JG 73 in Laage statt. Auch die F-4 F des JG 71“R“ in Wittmund und die Tornados des JaboG 33 in Büchel sollen in den nächsten Jahren durch den Eurofighter ersetzt werden.

Italien soll 121 Eurofighter erhalten, die bei Aeritalia montiert werden. Im Februar 2004 traf der erste Zweisitzer der Aeronautica Militare ein.

Auch Spanien konnte  im September 2003 bei der Ala 11 in Moron die ersten seiner 87 Eurofighter übernehmen, die bei EADS Spanien ehemals CASA gebaut werden.

Umstritten war die Entscheidung Österreichs für das europäische Kampfflugzeug. Trotz aller Widerstände wurden ab Juli 2007 15 Flugzeuge (statt 18 wie ursprünglich bestellt) geliefert, die bei der 1. Staffel  des Überwachungsgeschwaders in Zeltweg-Steiermark stationiert sind.

Als erster Kunde außerhalb Europas bestellte Saudi Arabien 72 Eurofighter, die seit 2008 ausgeliefert werden.

Natürlich kann man sich über den Eurofighter auch bei Wikipedia informieren, wer aber ausführlichere Informationen sucht :

Bernd Vetter / Frank Vetter, Der Eurofighter,  Motorbuch Verlag 2008

Andy Evans, Eurofighter Typhoon , Air Data 5 SAM Publications 2010

Eurofighter EF-2000 Typhoon colours&markings Mark 1 Ltd. In Cooperation with 4+ Publications 2009 (enthält auch ein Decalsheet)

Außerdem gibt es bei uns noch unsere Walk-Around Seite über den Eurofighter

 

 

 

Bausatz

Bis jetzt gab es in 1:144 nur das alte Revell Modell von 1989, dessen Bauanleitung den Eurofighter noch Jäger 90 nennt und auf irgend einem Mock Up basiert. Dieses Modell auf Serienstand zu bringen ist fast unmöglich und es taugt jetzt bestenfalls für die Ersatzteilkiste. Einerseits bedient Revell die anderen Maßstäbe 1:72, 1:48 und 1:32 mit hervorragenden Eurofighter-Modellen, die kaum zu verbessern sind, auf der anderen Seite haben die Bündener die Erwartungen der Modellbauer gerade in letzter Zeit mit Neuauflagen uralter Modelle (etwa der P-51 D und der Bf 109 E in 1:72) enttäuscht. Aber der jetzt erschienene Kit in 1:144 ist aus neuen Formen und hat mit dem alten Bausatz nichts gemein. 61 fein gravierte und detaillierte Bauteile hängen an 4 grauen Gußästen, dazu kommt die zum Öffnen bereits geteilte Cockpithaube. Revell sieht zunächst nur den Bau der  einsitzigen Version vor, die Aufteilung des Rumpfes zeigt aber, daß der Zweisitzer geplant ist.

Wie üblich beginnt der Bau des Modells mit dem Cockpit, das aus Instrumentenbrett, Wanne, Steuerknüppel und Schleudersitz besteht. Leider sind die Teile nicht graviert und das ansonsten umfangreiche Decal enthält auch keine Abziehbilder für Instrumentenbrett und Seitenkonsolen. Hier hilft nur ein feiner Pinsel. Dann kann der obere Rumpf schon zusammengeklebt werden. In diese Baugruppe und die Rumpfunterseite müssen dann die beiden Hälften des Lufteinlaufes eingebaut werden, bevor auch diese zusammengefügt werden können. Die Luftauslässe der Triebwerke können auch später montiert werden, was die Bemalung erleichtert. Es folgen Rumpfrücken und Tragflächen. In das Radom sollte man etwas Ballast einbauen, um einen sicheren Stand auf dem Bugfahrwerk zu gewährleisten. Das PIRATE (Passive Infra-Red Airborne Tracking Equipment)System (Teil33) ist bei den Luftwaffenflugzeugen der JG 74 und 73 wie bei allen frühen Eurofightern nicht montiert. Es wird erst bei Flugzeugen ab Block 5 bzw. Tranche 2 eingebaut. So sind alle Saudi Eurofighter mit diesem System ausgerüstet. Die beiden Canards können in jedem Winkel angebaut werden. Beim großen Vorbild sind sie im Stand meistens nach vorne geneigt. Das Fahrwerk ist für den kleinen Maßstab gut detailliert. Die Klappen sind für den geöffneten Zustand optimiert. Will man das Modell im Flug darstellen, muß man die Scharniere abschneiden. Die Cockpithaube ist so geteilt, daß sie geöffnet dargestellt werden kann. Hier wollen einige Modellbauer herausgefunden haben, daß die Windschutzscheibe zu lang und dafür der hintere Teil zu kurz geraten sei. An Hand von entsprechend verkleinerten Plänen (Mark Rolfe in SAM Januar 2010) kann ich sagen, daß die Abweichungen wenn überhaupt sehr gering sind. Etwas störend empfinde ich allerdings die beiden kleinen Zapfen, die Teil 31 aufnehmen sollen.

Ein Gußast enthält nur Außenlasten und Pylone. Die beiden Zusatztanks können nur unter der Fläche montiert werden. Tatsächlich fliegt das große Vorbild auch mit nur einem Abwurftank unter dem Rumpf oder für Überführungsflüge mit 3 Tanks (2 Fläche und 1 unter dem Rumpf). Diese Variation ist aber von Revell nicht vorgesehen. Die Bewaffnung umfaßt nur Luft-Luft Lenkwaffen, was dem Einsatz in den Jagdgeschwadern der Luftwaffe und RAF entspricht: Neben den immer noch aktuellen AIM-9 Sidewindern liegen 4 AMRAM, 2 IRIS T und 4 METEOR bei. Luft-Boden Waffen wie GBUs oder TAURUS, wie sie etwa von den Eurofightern der Jagdbombergeschwader verwendet werden sollen, fehlen in diesem Bausatz.

Der Eurofighter wird zwar von 6 Nationen eingesetzt, im Prinzip sehen alle Flugzeuge  gleich aus: Grau. Allerdings variiert der Farbton dieses Graus von Luftwaffe zu Luftwaffe: Camouflage Grey BS381 bei der RAF und den Saudis, die aber Flächen in NATO Grey ähnlich der F-15 übersprühen ließen, FS35237 Bei Bundesluftwaffe und Österreichern, FS 36280 bei spanischen und FS 36492 bei italienischen Eurofightern. Dabei haben Radom und Antennenfläche am Leitwerk und Flächen- und Leitwerkskanten einen mittelgrauen Farbton („Flint Grey“). Das umfangreiche Decalsheet läßt die Markierung von je einem Eurofighter des JG 73 Steinhoff in Rostock/Laage, wo die Ausbildung bzw. Umschulung der deutschen Eurofighter-Piloten stattfindet und des JG 74 in Neuburg/Donau, sowie des No.11 Squadron der RAF in Coningsby zu. Außer Hoheitsabzeichen, Staffelmarkierungen und taktischen Zahlen enthält das Blatt Stencils, Schleudesitzdreiecke, Formationslichter und Details für die Lenkwaffen. Weiter Optionen bietet das bei 4+ erschienene Heft „Eurofighter EF-2000 Typhoon colours and markings“, dem ein Decal für nicht weniger als 12 verschiedene Flugzeuge beiliegt. Man muß aber aufpassen, daß man den richtigen Maßstab erwischt, denn das gleiche Heft gibt es mit Decals für die größeren Maßstäbe.

Fazit

Revells kleiner Eurofighter ist ein exzellentes New Mould Modell und wieder einmal ein Lehrbeispiel, was inzwischen in 1:144 machbar ist. Abgerundet wird der positive Gesamteindruck durch hervorragende Decals. Lediglich  Instrumentenbrett und Seitenkonsolen habe ich auf dem umfangreichen Sheet vermißt. Der Preis liegt mit 5,90€ im üblichen Rahmen.